Deine Zeichen werden Formen – Illustrationsreise

Was mir an unserem Zugang zu den Grundlagen der Illustration immer wieder auffällt, ist, wie sehr wir das Zusammenspiel von Handwerk und Vorstellungskraft betonen—und dass es dabei nie bloß um das bloße Erlernen von Techniken geht. Klar, Zeichnen beginnt oft mit simplen Linien, dem Beobachten von Licht und Schatten, dem Verstehen von Proportionen. Aber das allein reicht nicht. Wer sich ausschließlich darauf verlässt, merkt schnell, dass irgendwann eine Art innere Wand auftaucht: der Zweifel, die Angst vor dem weißen Blatt, das Gefühl, dass das, was im Kopf so lebendig ist, auf dem Papier irgendwie blass bleibt. Genau an diesem Punkt unterscheidet sich unser Kurs. Wir haben „Kreativität“ bewusst als Leitbegriff gewählt, weil wir glauben, dass gezieltes Üben (ja, auch das wiederholte Skizzieren von Händen oder das Zeichnen endloser Kreise) nur dann wirklich fruchtet, wenn es Raum für eigene Experimente und kleine Abwege gibt—und diese sogar ausdrücklich willkommen sind. Es ist eigentlich fast schon ein Widerspruch: Erst durch eine gewisse Strenge im Aufbau öffnen sich die Spielräume für Individualität. Im Kursverlauf zeigt sich dann oft, wie unterschiedlich die Stolpersteine ausfallen können. Manche kämpfen mit der Perspektive—diese Sache mit Fluchtpunkten, die plötzlich alles verzerren, wenn man einmal nicht aufpasst. Andere bleiben am Thema Farbe hängen, weil sie nicht wissen, wie sie Stimmungen erzeugen, ohne alles in Buntheit zu verlieren. Und doch, was wirklich auffällt: Diejenigen, die sich erlauben, Fehler nicht bloß als Defizite zu sehen, sondern als Teil des Prozesses, kommen irgendwie entspannter (und am Ende auch weiter) durch die schwierigeren Phasen. Hier spürt man, dass das Kurskonzept nicht nur aus aufeinanderfolgenden Modulen besteht, sondern aus einer Art wachsendem Verständnis—eine Entwicklung, die ich bei Milsanex selbst miterlebt habe. Es gibt diese Momente, in denen man eine Technik schon zum dritten Mal aufgreift, diesmal aber mit einem anderen Blick, weil die vorherigen Versuche etwas im Denken verschoben haben. Das erinnert ein bisschen an das wiederholte Zeichnen desselben Motivs: Erst nervt es, dann entdeckt man plötzlich eine neue Linie, einen anderen Rhythmus. Und doch—vielleicht das Wichtigste—geht es eigentlich nie um das perfekte Ergebnis, sondern darum, den eigenen Blick zu schärfen und sich mit dem Unvollkommenen anzufreunden. Wer hier mitmacht, merkt schnell, dass Fortschritt kein gerader Weg ist. Es gibt Tage, an denen kaum etwas gelingt, und dann wieder Phasen, in denen scheinbar mühelos Formen und Figuren entstehen. Aber gerade in diesen Wellen, in der Mischung aus angeleitetem Üben und persönlicher Spurensuche, liegt das, was diese Herangehensweise besonders macht. Mir bleibt jedes Mal der eine Moment im Gedächtnis, als eine Teilnehmerin nach Wochen mit ihren Skizzen unzufrieden war—und dann plötzlich, ganz beiläufig, die Seite umdrehte und eine Zeichnung machte, die alles Vorherige übertraf. Niemand hatte ihr gesagt, dass sie es so versuchen sollte. Sie hat es einfach gemacht. Und das, finde ich, ist genau die Art von Kreativität, für die wir hier Platz schaffen wollen.

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